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Aktualisierung am 29. April 2008 TEXT DES MONATS APRIL 2008 DER KRÖTENPRINZ Es war einmal eine Prinzessin, die war zur
Abwechslung mal nicht Aus diesem Grund kam kein Prinz je auf die Idee,
um ihre Hand anzuhalten. Dies verdross ihren Vater, den König, fast noch
mehr als sie selbst, da seine Tochter nicht bloß hässlich war, sondern
außerdem auch noch eine Eines Tages nun saß die Prinzessin im
Schlossgarten und seufzte unablässig: „Ach, wäre ich doch schön! Dann würden alle Männer
mich heiraten wollen. Ach, wäre ich doch schön! Dann würden alle Männer mich
heiraten wollen. Ach, wäre ich doch schön!" „Aber du bist
doch schön! Zumindest finde ich
das" sagte da plötzlich eine „Huch! Wer spricht denn da?" fragte die
Prinzessin erschrocken. „Ich bin es, der Krötenprinz" antwortete die
Stimme. „Was willst du von mir, Krötenprinz?" fragte
die Prinzessin. „Ich möchte dich bitten, meine Frau zu werden.
Willst du? Bitte, sag nicht nein.“ 'In meinem Alter und bei meinem Aussehen kann man es
sich nicht leisten, allzu wählerisch zu sein, was den Mann fürs Leben
betrifft' überlegte die Prinzessin „Also, wenn es nur nach mir ginge, ich würde dich
schon heiraten, aber ich bin Daher kann ich dir mein Jawort nur dann geben,
wenn auch mein Vater, der König, damit einverstanden ist." „Na, dann fragen wir ihn doch, am besten jetzt
gleich" schlug der Krötenprinz vor. Die Prinzessin war einverstanden, hob ihn behutsam
hoch und trug ihn ins Schloss. Der König saß auf seinem Thron, als die Prinzessin
mit dem Krötenprinzen eintrat. „Igittigitt, was für ein scheußliches Vieh!"
rief der König angeekelt: „Raus „Aber Vater, das ist doch keine gewöhnliche Kröte,
sondern ein Krötenprinz, „Stimmt das?" fragte der König den
Krötenprinzen zweifelnd. „Ja, das stimmt" antwortete dieser. „Und was willst du von mir, Krötenprinz?" „Ich möchte dich, edler König, um die Hand deiner
Tochter bitten." 'Immer noch besser, sie heiratet diesen
Krötenprinzen als dass ich sie womöglich mein Leben lang am Hals habe' dachte
der König und sprach: „Also schön, einverstanden, an mir soll's nicht
scheitern. Meinen Segen habt ihr." „Oh, danke, Vater, danke! Jetzt steht unserem
Glück nichts mehr im Wege!“ Plötzlich machte es 'Puff!' und die Kröte
verwandelte sich in einen wunderschönen Prinzen, der natürlich mindestens
hundertmal schwerer war als die Kröte und Hart schlug er auf dem Marmorboden auf. Mühsam rappelte er sich hoch, wobei er sich mit
schmerzverzerrtem Gesicht seinen Hinterkopf rieb. „Das gibt bestimmt eine ordentliche Beule"
stellte er fest: „Trotzdem vielen Eine böse Hexe hat mich in eine Kröte verwandelt. Die einzige Möglichkeit, erlöst zu werden, war,
dass ich eine Prinzessin finde, die bereit ist, mich zu heiraten, ohne zu
wissen, dass ich in Wirklichkeit ein verwunschener Prinz bin. Tja, das wäre eigentlich alles." „Und morgen schon soll die Hochzeit sein!"
rief der König und rieb sich „Entschuldigung, welche Hochzeit denn, edler
König?“ fragte der Prinz. „Na, deine Hochzeit mit der Prinzessin
natürlich." „Soll das ein Witz sein? Glaubst du wirklich, dass
ich auch nur eine Sekunde Also, nochmals vielen Dank. Schönen Tag
noch." Sprachs - und verließ dass Schloss. Die Prinzessin aber lief schluchzend in den
Schlossgarten und seufzte, dort angekommen, immer wieder: „Ach, wäre ich doch schön! Dann würden alle Männer
mich heiraten wollen. Ach, wäre ich doch schön! Dann würden alle Männer mich
heiraten wollen. Ach, wäre ich doch schön!“ „Aber du bist
doch schön! Zumindest finde ich
das" sagte da plötzlich ein männlicher Frosch mit einer Krone auf dem
Kopf, der direkt vor ihr im Grase saß. „Oh nein! Nicht mit mir! Noch einmal falle ich
nicht darauf rein, ich nicht! Ich nicht! Ich nicht!“ schrie die Prinzessin
außer sich vor Zorn und zertrampelte den armen Froschkönig. TEXT DES MONATS MÄRZ 2008 GREISE Greise mümmelnd Abendessen sabbern, schlazen Greisenaugen fast schon blind triefen, bazen So ein Greis: Unappetitlich aber eines Tags auch ich. TEXT DES MONATS FEBRUAR 2008 STERNTALER Es war einmal ein hübsches kleines Mädchen namens
Gerti, das hatte Eltern, und zwar einen Vater und eine Mutter. Gerti kam gut aus mit Ihren Erzeugern, sie war
gehorsam und brav und wurde als Gegenleistung dafür nicht allzu sehr
schikaniert. Ganz besonders wusste sie es zu schätzen, dass ihr
der Vater jeden Abend vor dem Einschlafen eine Geschichte erzählte. Gerti war
nämlich ein phantasievolles Kind, das sich stets in die Rolle des Haupthelden
versetzte, ja, häufig ging diese Identifikation sogar so weit, dass sie das
Gefühl hatte, die geschilderten Abenteuer selbst zu erleben. Eines Abends nun hörte sie das Märchen von den
Sterntalern. Gerti war tief beeindruckt. Noch keine Geschichte
hatte ihr so gut gefallen wie diese. Die Vorstellung, all ihr Hab und Gut zu
verschenken und dafür mit unermesslichem Reichtum belohnt zu werden,
faszinierte sie. Sie würde sich jeden Wunsch erfüllen können: Berge von klebrigen Süßigkeiten, eine neue,
größere Puppenküche, den schönen Roboter aus dem Spielwarengeschäft, die
lustige Mini-MX-Rakete, die so schön laut krachte und knatterte, wenn man sie
fliegen ließ, und vieles andere mehr. Freilich wusste Gerti nur zu gut, dass zwischen
ihr und dem Mädchen aus den ‘Sterntalern‘ ein entscheidender Unterschied
bestand: Gerti war nicht arm. Das Mädchen aus dem Märchen war ja dafür belohnt
worden, dass es alles, was es besaß, hergegeben hatte. Würde hingegen sie, Gerti, dasselbe tun, so wären
ihre Eltern zwar sehr ungehalten darüber, aber sie würden ihr schließlich
doch neue Kleider und Spielsachen kaufen, das Opfer wäre also nicht annähernd
so groß wie das des Sterntalermädchens und würde daher auch nicht vom Himmel
mit goldenen Talern honoriert werden. Daraus folgerte Gerti völlig logisch, dass vor
allem ihre Eltern der Erfüllung Ihres Wunschtraums im Wege standen. Solange Mama und Papa lebten, hatte sie keine
Chance. „Ach, warum können Mama und Papa nicht ganz
schnell sterben!“ seufzte sie manchmal im Stillen, und wenn sie ihr
Nachtgebet sprach, so versäumte sie dabei nie, den Lieben Gott um den Tod
ihrer Eltern zu bitten. Allein, der Liebe Gott hatte kein offenes Ohr für
Gertis Wünsche, er dachte nicht im Traum daran, ihre Eltern von der Weltbühne
abzuberufen, denn Gott träumt nicht, sondern ist immer wach. Gertis Glaube an den gütigen Himmelvater geriet
ins Wanken - bis sie eines Tages das Sprichwort ‘Hilf dir selbst, so hilft
dir Gott‘ hörte. Von diesem Moment an wusste sie, was sie zu tun
hatte. ‘Wenn ich Papa und Mama totmache, kommen sie zum
Lieben Gott ins Paradies‘ überlegte sie: ‘Dort geht es ihnen bestimmt noch
viel, viel besser als hier, und ich werde dann alles herschenken, was ich
habe, und dann wird es Sterntaler vom Himmel regnen, und alle gehören nur
mir, mir ganz allein...‘ Wenige Wochen später verließ sie eines Nachts ihr
Zimmer und legte sich zu ihren Eltern ins Bett. Daran war nichts Ungewöhnliches, Gerti war erst
sechs Jahre alt, und wenn sie mitten in der Nacht aufwachte, fürchtete sie
sich, allein im Zimmer zu bleiben und suchte Schutz bei Papa und Mama, der
ihr stets auch widerspruchslos gewährt wurde. Ungewöhnlich war diesmal bloß der Umstand, dass
Gerti in ihrem Nachthemd das scharfe Rasiermesser des Vaters versteckt hatte. Sie wartete eine halbe Stunde, bis sie sicher war,
dass ihre Eltern wieder fest schliefen. Zwei schnelle, entschlossene Schnitte, zwei
klaffende Halswunden, Papa und Mama merkten kaum, wie ihnen geschah, sie
mussten nur kurz leiden, ehe sie es überstanden hatten. Kein Zweifel: Gerti verstand sich aufs Morden
trotz ihres zarten Alters bereits besser als so mancher Profikiller. Ein Naturtalent. Am nächsten Morgen lief Gerti gleich zu der Baracke,
in der die Familie Vidovic wohnte. Herr Vidovic war schon seit zwei Jahren
arbeitslos, und Gerti hatte mehrmals gehört, wie ihr Vater ihn einen armen
Hund genannt hatte, also war er für ihre Pläne der richtige Mann. Sie klopfte an die Tür, und Frau Vidovic öffnete. „Guten Tag, Frau Vidovic“ sagte Gerti höflich:
„Ist Herr Vidovic zu Hause?“ „Jaja, Gerti, du kommen rein, er drinnen sitzen.“ Herr Vidovic war gerade beim Frühstück. Er
begrüßte Gerti herzlich und fragte sie nach dem Grund ihres Besuchs. „Sie sind doch so arm, Herr Vidovic“ erklärte das
Mädchen: „Und deshalb möchte ich Ihnen unser Haus schenken und alles andere
auch, damit Sie nicht mehr so arm sind.“ Nur kurz verfinsterte sich die Miene des
Gastarbeiters, dann antwortete er freundlich: „Du bist liebes Kind, Gerti, wirklich, und du
meinst sicher gut, aber was sagen deine Eltern dazu, wenn du mir euer Haus
schenkst?“ „Meine Eltern sind beide tot, das Haus gehört
jetzt mir allein. “ “So ein Unsinn“ erwiderte Vidovic, etwas
ärgerlich: „Erst gestern habe ich sie noch gesehen, gesund und munter. Es ist
nicht schön von dir, dass du mich so anlügst, Gerti.“ „Gestern waren sie auch noch lebendig, aber heute
sind sie beide tot“ sagte Gerti: „Ganz, ganz tot.“ „Hör mal, Kind, mit so was macht man keinen Spaß“
ermahnte Vidovic sie. „Nein, sie sind wirklich tot, großes feierliches
Indianerehrenwort, sie liegen im Bett und rühren sich nicht mehr und alles
ist ganz blutig, und weil sie tot, sind, schenke ich Ihnen unser Haus, damit
Sie nicht mehr arm sind.“ Vidovic erbleichte, sprang auf, packte das Mädchen
bei der Hand und eilte mit ihm zum Tatort, wo er feststellte, dass Gertis
Beschreibung durchaus zutreffend gewesen war. Wenig später kam die Kripo. „Hast du etwas gehört, du armes Kind?“ fragte der
Kommissar das Mädchen mitfühlend. Gerti schüttelte den Kopf: „Ich bin nur in der Früh in das Schlafzimmer
gegangen, und da habe ich sie gesehen“ log sie. Kaum eine Stunde später kannte die Polizei
allerdings die ganze Wahrheit. Bei einer Durchsuchung der Wohnung hatte man
Gertis blutiges Nachthemd und das Rasiermesser mit ihren Fingerabdrücken
gefunden. Solch gravierende Fehler wären einem Profikiller
natürlich nicht passiert, aber man darf nicht vergessen, dass das Kind
schließlich erst sechs Jahre alt war. „Um Gottes Willen, warum hast du das getan?“
fragte der Kommissar entsetzt. „Wegen den Sterntalern“ antwortete Gerti und
erzählte nach und nach dem Polizeibeamten die ganze Geschichte. Gerti wurde trotz ihrer Jugend in ein
Erziehungsheim eingewiesen. Auch dort werden schöne Märchen erzählt. Nach wie vor ist ungeklärt, wer dem Pudel des
Anstaltsleiters den Bauch aufgeschlitzt und mit Steinen gefüllt hat. TEXT DES MONATS JANUAR 2008 INTERESSANTE ZEITEN Die Zeiten werden wieder int’ressant: In diesem Land in jenem Land und auch in unserem Land. Die Zukunft lässt sich nur in düsteren Farben malen: Wer hat, der hat. Wer nichts hat, muss bezahlen. Das Recht gibt jenen recht die Unrecht säten. Das Unheil bleibt nicht aus. Es wird sich bestenfalls verspäten. TEXT DES MONATS DEZEMBER 2007 DIE POST Die
folgende Geschichte handelt von einem Amt. Wer
nun erwartet, dass ich die alte Suppe von dem Mann aufwärme, der in ein Amt geht,
darin von Instanz zu Instanz geschickt wird und zuletzt unverrichteter Dinge,
völlig gebrochen, wieder abzieht, wird sich in dieser Erwartung enttäuscht
sehen. Meine
Geschichte ist auch nicht lustig, sie ist schlicht und einfach wahr. Nun
denn: Eines schönen Tages - ach was, schön war's gar nicht, es goss in
Strömen - lief ich zum Postamt, das meinem Wohnort am nächsten lag, um einen
Brief aufzugeben. Der
Beamte nahm mir den Brief ab, klebte eine Marke darauf und streifte das Geld
dafür ein. Schon
wollte ich das Postamt wieder verlassen, als ich bemerkte, dass der Mann den
Brief in den Papierkorb geworfen hatte, wie ich meinte, versehentlich, da
dieser gleich neben jenem für Briefe stand. „Äh...
Verzeihung... Sie haben meinen Brief in den Papierkorb geworfen“ sagte ich. „Richtig.“ „Aber
er gehört in den Briefkorb.“ „Falsch.“ „Sie...
haben ihn also mit Absicht in den Papierkorb geworfen?“ „Richtig.“ „Aber
warum denn? Er war doch korrekt frankiert...“ „Richtig.“ „Ja,
aber warum werfen Sie ihn dann weg? Dann wird er ja den Empfänger nicht
erreichen!“ „Kaum.“ Seine
Einsilbigkeit ging mir auf die Nerven: „Warum
tun Sie es dann?“ „Weil
sowieso nur dummes Gewäsch drinnen steht.“ „Erlauben
Sie mal“ Ich schreibe kein dummes Gewäsch, das ist eine Frechheit! Und woher
wollen Sie das überhaupt wissen?“ „Sie
haben es gewagt... Ja, gibt es denn kein Briefgeheimnis?“ Er
zuckte nur die Achseln. Dann ließ er sich endlich zu einer Erklärung herab: „Unsere
Briefträger haben schwere Lasten zu tragen. Haben Sie schon einmal einen
Postsack gehoben? Der ist sehr, sehr schwer. Ich sehe nicht ein, warum der
Postbote sich auch noch mit Briefen belasten soll, in denen nur unnützes
Gewäsch steht.“ „Sie
weigern sich also, den Brief zu befördern?“ „Genau.“ „Dann
geben Sie mir den Brief zurück.“ „Nein.“ „Warum
nicht?“ „Weil
Sie es sonst bei einem anderen Postamt versuchen könnten, wo man Sie noch
nicht kennt. Und dann hätte der Briefträger erst unnötige Arbeit wegen Ihnen.
Das will ich nicht.“ „Hören
Sie, Sie sind verpflichtet...“ „Ich
bin verpflichtet, meinen Dienst nach bestem Wissen und Gewissen zu tun. Dies
tue ich.“ „Ich
werde mich über Sie beschweren!“ „Zwecklos.
Man wird Ihnen keinen Glauben schenken. Ich gelte als mustergültiger Beamter
und bin es auch.“ „Aber
Sie können nicht für eine nicht erbrachte Leistung kassieren! Sie haben das
Geld für die Marke genommen, also müssen Sie den Brief auch befördern!“ „Wer
sagt das?“ „Das
ist eben so! Jeder sagt das! Fragen Sie Ihren Vorgesetzten!“ Endlich
wurde es ihm zu dumm: „Sehen
Sie nicht, dass Sie mich aufhalten? Ich habe zu tun. Meine Zeit ist kostbar
und Sie haben mir schon mehr Zeit gestohlen, als die Marke wert war. Also
verschwinden Sie.“ „Nein.
Geben Sie mir meinen Brief zurück.“ „Kommt
nicht in Frage. Seien Sie doch vernünftig und gehen Sie. Ich bin ein
vielbeschäftigter Mann.“ „Ich
werde nicht gehen, bevor ich nicht den Brief zurückhabe.“ „Soll
ich Sie etwa erschießen?“ fragte der Beamte und legte einen Revolver auf den
Tisch. „Sie
werden es nicht wagen. Das ist unerhört.“ „Sie
wären nicht der Erste“ erwiderte er und öffnete eine kleine Tür, die sich
hinter seinem Platz befand. In der kleinen Kammer lagen, fein nebeneinander
aufgereiht, drei Leichen. „Die
waren alle so hartnäckig wie Sie. Jetzt haben sie ihren Lohn. Ich bin dazu
da, das Postwesen vor Schwätzern zu schützen. Es ist eine heilige Pflicht.“ „Wenn
das so ist, dann gehe ich. Auf Wiedersehen.“ Damit
entfernte ich mich, um die nächste Polizeistation aufzusuchen. „In
einer Kammer im Postamt liegen drei Leichen“ meldete ich dem diensthabenden
beamten: „Der Postbeamte ist ein gefährlicher Killer!“ „Und
ich der Weihnachtsmann.“ „Nein,
wirklich, sehen Sie nach, wenn Sie mir nicht glauben. Wenn es nicht stimmt,
können Sie mich ja wegen Irreführung der Behörden belangen.“ „Gut.
Einen Moment“ sagte der Polizeibeamte und entfernte sich ins Nebenzimmer.
Eine halbe Stunde später kehrte er zurück. „Sie
sind offenbar ein Psychopath“ sagte der Beamter: „Wir haben den Postbeamten
angerufen, er weiß nichts von Leichen. Wir haben uns daher entschlossen,
lieber mal Ihre Wohnung zu durchsuchen.“ Ich
protestierte, aber es half nichts: Zwei
schwerbewaffnete Bullen begleiteten mich zu meinem Zimmer. „Suchen
Sie nur!“ rief ich: „So eine Gemeinheit! Sie werden nichts finden!“ „Wir
werden sehen“ sagte einer der beiden Bullen ungnädig und begann mit der
Durchsuchung. Und
als er schließlich meinen Wandschrank öffnete, fielen ihm drei tote Postboten
entgegen. TEXT DES MONATS NOVEMBER 2007 ABER IRGENDWO Aber irgendwo da gibt es irgendwas das macht mich satt stillt meinen Hunger meinen Durst und meine Sehnsucht nach Leben. Ich steige auf einen hohen Berg und blicke rings umher mein Hunger wird größer Ich wandere durch eine Wüste und blicke rings umher mein Durst wird größer Ich baue ein Haus in einem Wald meine Sehnsucht nach Leben wird größer Aber irgendwo da gibt es irgendwas das macht mich satt stillt meinen Hunger meinen Durst und meine Sehnsucht nach Leben. TEXT DES MONATS OKTOBER 2007 KLEINE URSACHE, GROSSE WIRKUNG Ein Reh trat aus dem Wald. Ein Jäger legte an und schoss dreimal: Der erste
Schuss ging daneben, der zweite traf das Reh tödlich, der dritte ging wieder
daneben. Der Jäger riss jubelnd die Arme hoch, doch in
diesem Moment landete direkt auf ihm ein Hubschrauber und zerquetschte ihn. Der Hubschrauber öffnete sich und der
Bundespräsident kletterte heraus, gefolgt von sieben Antiterroristen. Ein Terrorist zielte und schoss dreimal auf den
Bundespräsidenten. Der erste Schuss ging daneben, der zweite war
tödlich, der dritte ging wieder daneben. Während der Terrorist jubelnd die Arme hochriss,
feuerten die Antiterroristen drei Salven ab: Die erste ging daneben, die
zweite traf den Terroristen tödlich, die dritte Salve aber schossen die
Antiterroristen aus Freude über ihren schönen Erfolg kerzengerade in die
Luft. Sieben Störche fielen tödlich getroffen vom Himmel
und landeten ausgerechnet auf den Antiterroristen, wobei ihre spitzen
Schnäbel die Köpfe der Antiterroristen durchbohrten. Dem Hubschrauberpiloten wurde die Sache allmählich
etwas zu brenzlig. Er verließ diesen Ort des Grauens, um fünf Minuten
später an einer Felswand zu zerschellen. Und wer war schuld an allem? Ein Reh. TEXT DES MONATS SEPTEMBER 2007 LASS ES SCHÖN SEIN Lass es schön sein Lass uns jung sein Lass es warm sein Lass uns nah sein Lass es schön sein TEXT DES MONATS August 2007 DAS RADIESCHEN Werner Bauer hatte nie Kondome bei sich, weil er
glücklich verheiratet war und nicht die Absicht hatte, seine Frau jemals zu
betrügen. Eines Nachts aber bat seine ungemein attraktive
Kollegin Vera ihn im Anschluss an einen betriebsinternen Kegelabend, sie nach
Hause zu was Werner - beinahe ohne Hintergedanken - auch tat. „So. Da wären wir. Gute Nacht, Vera“ sagte er,
nachdem er seinen Wagen direkt vor dem Haus, in dem sie wohnte geparkt hatte. Vera aber machte keine Anstalten, auszusteigen,
sondern beugte sich über ihn und küsste ihn leidenschaftlich, während ihre
rechte Hand fachkundig seine erogene Zone massierte. „Komm doch mit. Ich will dich. Komm“ hauchte sie. Zwar hielt Werner im
Prinzip eine ganze Menge von ehelicher Treue, doch diese Versuchung war gar
zu groß, selbst der Papst wäre ihr erlegen, wenn er noch jünger wäre. Also begleitete er sie in ihre Wohnung - natürlich
Werner, nicht der Papst. Dort angekommen, bat sie ihn, einen Moment lang im
Wohnzimmer zu warten und verschwand im ihrem Schlafzimmer. „So was Blödes, ich habe gerade gemerkt, dass
meine Kondome aus sind“ sagte sie, als sie zurückkehrte: “Hast du
vielleicht...“ „Nein, leider...“ „Dann sei doch bitte so lieb und besorg welche.“ „Ist gut“ sagte Werner und verließ die Wohnung. Keine zehn Minuten später war er schon wieder
zurück, zwar ohne Kondome, doch dafür mit einem Radieschen auf dem Kopf. „Sag: Wieso hast du denn ein Radieschen auf dem
Kopf?“ erkundigte sich Vera, etwas irritiert. „Erzähl mir doch nicht so einen Blödsinn, ich
finde das überhaupt nicht komisch“ sagte Vera ungehalten, packte das
Radieschen und zog so kräftig daran, dass Werner vor Schmerz aufschrie, doch
das Radieschen rührte sich keinen Millimeter von der Stelle. „Du hast recht, es geht tatsächlich nicht runter“
stellte Vera fest: „Also, das ist wirklich merkwürdig.“ „Keine Ahnung“ sagte Vera: „Aber ich finde, du
solltest jetzt gehen. Sei mir bitte nicht böse, aber dieses blöde Radieschen
hat mir die ganze Stimmung verdorben.“ „Das versteh ich. Mir geht’s genauso. Also dann,
gute Nacht, Vera“ sagte Werner und verließ ihre Wohnung. Mit diesem Radieschen hatte es übrigens folgende
Bewandtnis: Auf dem fernen Planeten Corcos gibt es winzig
kleine, superintelligente Lebewesen, denen die Züchtung einer Radieschensorte
gelungen ist, die sich besser als jedes andere Gemüse für die Raumfahrt
eignet. Das Radieschen auf Werners Kopf war nichts anderes
als ein corcosisches Raumschiff, und der Grund dafür, dass es dort festsaß,
war der, dass diese Radieschensorte an ihrer Unterseite anstelle einer Wurzel
einen extrem starken Saugnapf hat. Werfen wir nun einen Blick ins Innere des
Radieschens. „Haben Sie schon eine Erklärung für diese
ungewöhnlich starken Turbulenzen gefunden, Crick?“ fragte Commander Pork
seinen Cheftechniker. „Ja, und?“ fragte Pork ungeduldig. „Die einzige mögliche Erklärung für diese
Turbulenzen ist, dass wir auf einem gewaltigen Lebewesen gelandet sein
müssen, das ungefähr so groß ist wie der Cohoroc.“ (Anmerkung: Der Cohoroc ist der höchste Berg des
Planeten Corcos) „Sind Sie ganz sicher?“ fragte der Commander
ungläubig. „Es besteht überhaupt kein Zweifel daran. Wie
gesagt, die Daten sind eindeutig.“ „Hm. Also, wenn diese Lebewesen wirklich so riesig
sind, wie Sie behaupten, Crick...“ „Ich behaupte es nicht nur, sie sind so riesig“
unterbrach Crick, etwas ungehalten. „Verzeihen Sie, ich wollte Sie nicht kranken,
Crick“ sagte der Commander: „Also, jedenfalls sehe ich keine Möglichkeit, mit
dermassen riesigen Lebewesen Kontakt aufzunehmen. Verglichen mit ihnen sind
wir nämlich so winzig, dass sie uns wahrscheinlich nicht einmal wahrnehmen
können. Sie würden uns zertreten, ohne überhaupt etwas von unserer
Anwesenheit zu ahnen.“ „Was schlagen Sie vor, Commander?“ fragte Crick. „Wir fliegen weiter. Zum nächsten Planeten.
Vielleicht finden wir dort eine Lebensform, die der unseren ähnlicher ist als
diese hier.“ Just in dem Moment, in dem Werner das Haus
verließ, startete Crick das Radieschen. Der Saugnapf löste sich von Werners Kopf, das Radieschen
hob ab und entfernte sich mit Lichtgeschwindigkeit in Richtung Mars. TEXT DES MONATS JULI 2007 UND
ÜBERALL RABEN Und überall Raben Ich habe Angst Ich gehe weiter Denn nirgends Missgunst (Aus dem Lyrikband ‚Unterwegs’, Bibliothek der Provinz) TEXT DES MONATS JUNI 2007 WELTUNTERGANG Als
die Fußballübertragung abrupt unterbrochen wurde und statt dessen der
Nachrichtensprecher auf dem Bildschirm erschien, ahnte ich schon, dass etwas
Fürchterliches geschehen sein musste. Ich
sollte recht behalten, denn der Mann sagte mit ernstem Blick Folgendes: „Aus
aktuellem Anlass beenden wir nun unsere Fußballübertragung: Ein Komet, der
etwa dreimal so groß wie die Erde ist, nähert sich dieser nämlich mit
riesiger Geschwindigkeit und wird morgen früh um 6 Uhr 47 MEZ mit ihr
zusammenstoßen. Dass dies das Ende jeglichen Lebens, also auch des Ihren, sehr
verehrte Fernsehteilnehmer, bedeutet, ist selbstverständlich. Unsere
tüchtigen Astronomen wussten natürlich schon seit einem Monat von der
bevorstehenden Katastrophe, haben aber klugerweise dieses Wissen
geheimgehalten, da diese Nachricht sicherlich die Arbeitsmoral der
Bevölkerung geschwächt hätte, wodurch unserer Wirtschaft nachhaltiger Schaden
entstanden wäre. Als
besonderen Service bietet der ORF Ihnen bis 6 Uhr 47 MEZ Trauermusik. Sie
hören Werke von Verdi, Bruckner, Beethoven und anderen. Wir wünschen Ihnen
eine gute Nacht.“ Ich
blickte auf den Kalender. Es
war nicht der erste April und auch der Fasching war lange schon vorbei, also
musste etwas Wahres dran sein, und wenn man hinaussah, so bemerkte man am
Nachthimmel auch einen neuen Himmelskörper, der bereits fast so groß erschien
wie der Mond. Zuerst
dachte ich daran, dass es wohl das Vernünftigste wäre, mich zu besaufen, doch
dann siegte das Pflichtbewusstsein: Der Roman, an dem ich gerade arbeitete,
stand nämlich knapp vor der Fertigstellung und ich wollte ihn, wenn ich schon
sterben musste, nicht als Fragment zurücklassen. Es
war übrigens ein utopischer Roman, der davon handelte, dass ein Atomkrieg die
Menschheit vernichtete. Ich
hatte Glück, denn genau um 6 Uhr 46 schrieb ich den letzten Satz nieder und
wusste, dass dieses Werk mein bestes geworden war. Nur
schade, dass es nun keiner mehr würde lesen können! Ich
schloss die Augen und wartete. Ich
wartete vergeblich, denn es geschah nichts. Um
6 Uhr 498 drehte ich den Fernsehapparat auf, um zu erfahren, was passiert
war. Kaum,
dass das Bild sichtbar wurde, erschien der Sprecher wieder und sagte,
verlegen lächelnd: „Es
tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass den Astronomen in ihren
Berechnungen ein kleiner Irrtum unterlaufen ist, denn der Komet änderte -
unberechenbar, wie Kometen nun mal sind - kurz vor der Kollision seine Bahn
und verfehlte so die Erde knapp. Wir bitten Sie also vielmals um
Entschuldigung, der Fehler lag nicht in unserem Bereich. Allerdings
will ich Ihnen nicht verschweigen, dass die Situation sowohl von den
Strategen der Vereinigten Staaten als auch von jenen Russlands und Chinas
dazu benutzt wurde, ihre Atomwaffen doch noch zum Einsatz zu bringen, um sie
nicht umsonst gebaut zu haben. Die
radioaktive Wolke, die auch Ihr Leben, meine Damen und Herren, vernichten
wird, wird voraussichtlich um etwa 14 Uhr Österreich überqueren. Bis
dahin bringen wir Trauermusik von Verdi, Bruckner, Beethoven und anderen. Wir
wünschen Ihren gute Unterhaltung.“ TEXT DES MONATS MAI 2007 AUF
DEM EISENMOND Auf dem Goldmond Auf dem Silbermond der Bronzemond Auf dem Bronzemond Auf dem Eisenmond ‘Friede den Hütten! Die Stille in meiner Hütte (Aus meinem Lyrikband ‚Unterwegs’,
Bibliothek der Provinz) Zurück zum Seitenanfang |
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