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POLITIK
(Letzte Aktualisierung am 29. April 2008)
EU-VERTRAG VON LISSABON RATIFIZIERT
Am
Mittwoch, den 9. April 2008 wurde der EU-Vertrag von Lissabon vom
österreichischen Nationalrat mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und den Grünen
ratifiziert.
Dabei handelt es sich um nichts anderes
als um die nach Niederlagen bei Volksabstimmungen in Frankreich und den
Niederlanden auf Eis gelegte EU-Verfassung, die nun unter einem neuen Namen,
aber inhaltlich nur geringfügig abgeändert, doch noch durchgesetzt werden
soll. (Sogar Benita Ferrero-Waldner bezeichnete diesen Vertrag als
‚wiederaufgetaute EU-Verfassung’!)
Volksabstimmungen darüber soll es
freilich tunlichst keine mehr geben. Weder in Frankreich noch in den
Niederlanden, auch nicht in Deutschland und schon gar nicht bei uns in Österreich,
obwohl beispielsweise die Verpflichtungen, die Österreich im Rahmen der
gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der EU eingeht, mit unserer
Neutralität vollkommen unvereinbar sind. (Im Neutralitätsgesetz heißt es
ausdrücklich, dass Österreich in aller Zukunft keinen militärischen
Bündnissen beitreten wird!)
Selbst das beliebteste Argument der
Befürworter, dass durch diesen Vertrag die Grundrechtscharta EU-weit
rechtsverbindlich wird, steht auf schwachen Beinen: Diese Grundrechte sind
nämlich ohnehin schon in sämtlichen Mitgliedstaaten der EU gesetzlich
geschützt.
Und für die Einhaltung der
Grundrechte ist nicht etwa der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
zuständig, sondern der EuGH, dem auch die Überwachung der Einhaltung der
EU-Verträge obliegt. Somit hat der EuGH von Fall zu Fall zu entscheiden, ob
er den Grundrechten oder aber den EU-Verträgen Vorrang einräumt. Die Charta
der Grundrechte und die (EU)-Verträge sind nämlich laut Vertrag von Lissabon
nur gleichrangig, während etwa im Deutschen Grundgesetz die Grundrechte
absolute Priorität haben.
Somit ist der vielgepriesene
Fortschritt bei näherer Betrachtung bestenfalls kein allzu großer
Rückschritt.
Ich will hier aber gar nicht weiter
ins Detail gehen. Nähere Informationen zum Vertrag von Lissabon sind unter
dem Link www.werkstatt.or.at) abrufbar.
Was mich nämlich noch erheblich mehr beunruhigt als der Inhalt dieses
Vertrags - über den man in einer Demokratie selbstverständlich unterschiedlicher
Ansicht sein kann - ist die Tatsache, dass man uns, dem Volk, das Recht
vorenthält, im Rahmen einer Volksabstimmung darüber zu entscheiden - mit dem
fadenscheinigen Argument, dass die Ratifizierung dieses Vertrags keine
Gesamtänderung unserer Verfassung mit sich bringt, in Wirklichkeit hingegen
aus keinem anderen Grund als diesem, dass die Befürworter ganz genau wissen,
dass sie eine Volksabstimmung verlieren würden.
Selbst wenn wir nämlich einmal - rein theoretisch - annehmen, dass dieser
Vertrag tatsächlich eine enorme Verbesserung wäre - und zwar nicht bloß für
die Macht- und Geldelite, sondern für alle EU-Bürger - so würde das doch
nichts an der Tatsache ändern, dass der Preis dafür ein erheblicher
Souveränitätsverzicht der Mitgliedsstaaten ist.
De facto werden in Zukunft alle wirklich wichtigen Entscheidungen von
EU-Gremien getroffen, die keiner demokratischen Kontrolle mehr unterliegen,
während die Aufgabe der nationalen Parlamente größtenteils darin bestehen
wird, diese Entscheidungen auf nationaler Ebene zu exekutieren.
Anstelle einer Legislative werden wir also in Zukunft eine Exekutive wählen,
anstelle eines Gesetzgebers nur noch einen Sheriff.
Die Ratifizierung dieses Vertrags widerspricht also nicht nur dem
Neutralitätsgesetz, sondern bringt sehr wohl auch eine Gesamtänderung der
Verfassung mit sich.
Wenn daher aus Angst vor einer Abstimmungsniederlage eine Volksabstimmung
über diesen Vertrag verweigert wird, so ist diese Vorgehensweise auch dann
undemokratisch, wenn man damit die allerbesten Absichten verfolgt, denn wo
Menschen zu ihrem Glück gezwungen werden, dort beginnt bereits die Diktatur.
Und wenn nun sogar die Nationalratsabgeordneten der Grünen sich der
Argumentation der Regierungsparteien anschließen und einmütig für die
Ratifizierung dieses Vertrags ohne Referendum stimmen, so empfinde ich als
Mitglied dieser Partei das als absolut unverzeihlich, weil sie dadurch gegen
unser eigenes Grundsatzprogramm verstoßen.
In diesem 2001 beschlossenen und nach wie vor gültigen Grundsatzprogramm heißt
es unter anderem:
’Volksbegehren sind eine wichtige Form demokratischer Teilhabe. Zusammen mit
Befragungen der Bevölkerung zu wichtigen Anliegen, einer Verpflichtung zu
ausführlicheren Behandlung von Volksbegehren im Rahmen der repräsentativen
Demokratie, sollen das häufig beklagte Gefühl der Ohnmacht zurückdrängen.’
’Der gewaltfreie Grundwert verpflichtet die Grünen zu besonderem außenpolitischen
Engagement für friedliche, gewaltfreie Methoden der Konfliktlösung. Die
Grünen lehnen einen Beitritt zur Nato ab, weil er auf Grund nicht vorhandener
militärischer Bedrohungsszenarien unnötig ist. Er wäre außerdem ein falsches
Signal dahingehend, dass nämlich militärische Allianzen geeignet sind, die
heutigen Sicherheitsprobleme zu lösen.’
’Die Regierungen und Bürokratien entziehen sich der Kontrolle ihrer
nationalen Parlamente und Gerichte, ja, der Kontrolle ihrer
WählerInnenschaft, ohne sich dafür auf europäischer Ebene diesen
demokratischen Grundprinzipien unterwerfen zu müssen.
Souveränitätsrechte der Nationalstaaten, von denen die Menschen glauben,
sie würden auf Europa übertragen, kommen dort in Wahrheit nie an, sondern
verschwinden im demokratischen Niemandsland der so genannten Regierungszusammenarbeit.
Die mangelnde demokratische Dimension in Europa geht so weit, dass sie nicht
nur europäisches Recht ohne Parlamente beschließen, sondern dies auch noch
unter Ausschluss der Öffentlichkeit tun.’
’Die immer währende Neutralität gehört zum staatspolitischen Fundament der 2.
Republik und wurde ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses der
Gesellschaft im Lande... Eine wesentliche Veränderung der internationalen
Stellung Österreichs ergibt sich durch die Mitgliedschaft in der Europäischen
Union. Sowohl die Mitarbeit an einer gemeinsamen Verteidigung als auch die
Teilnahme an Militärinterventionen durch die EU würden den Stellenwert der
Neutralität deutlich verändern. Immerhin schließt das Neutralitätsgesetz
sowohl den Beitritt zu einem Militärbündnis als auch die Teilnahme an Kriegen
aus.
Angesichts der verringerten militärischen Bedrohungen ist das Projekt eines
eigenen Militärbündnisses völlig überflüssig.’
Wie aus einer Umfrage der Tageszeitung ‚Heute’ hervorging, haben die meisten
Parlamentarier sich nicht mal die Mühe gemacht, den Vertrag von Lissabon zu
lesen, bevor sie ihm ihre Zustimmung erteilten.
Daher war den meisten Grün-Abgeordneten ihr Verstoß gegen die eigenen
Grundsätze möglicherweise gar nicht bewusst.
Aber das ist keine Entschuldigung, denn immerhin wurden sie wieder und wieder
und wieder von Leuten der eigenen Parteibasis auf die möglichen fatalen
Folgen dieses Vertrags hingewiesen. Dass sie sich dennoch nicht mal die Mühe
gemacht haben, den so sehr kritisierten Vertrag wenigstens zu lesen, um sich
selbst ein Urteil zu bilden, zeugt von einer unglaublichen Arroganz und
Abgehobenheit.
Die Namen dieser Abgeordneten sind Dieter Brosz, Dr. Eva
Glawischnig-Piesczek, Dr. Kurt Grünewald, Theresia Haidlmayr, Bettina
Hradecsni, Mag. Werner Kogler, Ruperta Lichtenecker, Mag. Ulrike Lunacek,
Sabine Mandak, Dr. Gabriela Moser, Karl Öllinger, Dr. Peter Pilz, Dr.
Wolfgang Pirklhuber, Mag. Bruno Rossmann, Michaela Sburny, Mag. Birgit
Schatz, Mag. Albert Steinhauser, Mag. Brigid Weinzinger, Mag. Dr. Wolfgang
Zinggl, Barbara Zwerschitz und Dr. Alexander Van der Bellen.
Bundessprecher Van der Bellen hat den Grünen nach seinem Amtsantritt eine
ordentliche Dosis Realpolitik verordnet, und das ist uns auch sehr gut
bekommen.
Seit einigen Jahren aber befindet sich die Parteispitze unter seiner Führung
auf dem Weg in die politische Prinzipienlosigkeit und Beliebigkeit, um eines
Tages als Juniorpartner vielleicht ein bisschen mitregieren zu dürfen, und
diesen Weg werde ich nicht mitgehen.
Daher werde ich persönlich auf Bundesebene so lange nicht mehr Grün wählen,
so lange Dr. Van der Bellen oder auch eine andere der obgenannten Personen an
der Spitze der Partei steht.
ALLES MÜLL... ODER WAS?

Müllermilch, einer der Größten in der
Molkereibranche in Deutschland, weigert sich, das zu produzieren, was
Verbraucher wollen: Milch - hergestellt ohne genmanipuliertes Tierfutter.
Obwohl ausreichend Tierfutter ohne Gen-Pflanzen vorhanden ist, lässt Müller
zu, dass seine Vertragsbauern Gen-Pflanzen verfüttern. Mit dieser
Unternehmenspolitik ist der Konzern mitverantwortlich für die verheerenden
ökologischen Auswirkungen von Gen-Pflanzen.
Den Anbau dieser Risikotechnologie dürfen Verbraucher ungefragt mit jeder
Buttermilch von Müller mitfinanzieren. Denn wer kann schon erkennnen, was die
Kühe gefressen haben, deren Milch man da kauft? Tierische Lebensmittel
unterliegen nämlich nicht der Kennzeichnungspflicht für Gen-Food.
Viele Verbraucher haben sich an den Mitmachaktionen gegen Müllermilch
beteiligt. Doch statt dem Wunsch nach Essen - produziert ohne Gen-Pflanzen -
nachzukommen, versucht Müller in einem Antwortschreiben an die Verbraucher,
mit fadenscheinigen Argumenten seine Unternehmenspolitik zu rechtfertigen.
Das alles müssen Sie nicht hinnehmen. Kämpfen Sie gemeinsam mit Greenpeace,
damit wir auch künftig die Wahl haben und Essen ohne Gentechnik genießen
können. Ó Greenpeace
Weitere
Informationen zu diesem Thema findet ihr unter http://www.muell-milch.de
Der Kauf von Produkten von
Müller-Milch schadet also nicht nur der heimischen Landwirtschaft, sondern
auch der eigenen Gesundheit.
Daher empfehle ich, Produkte der Firma Müller Milch in Zukunft nicht mehr zu
kaufen.
Die Macht der Konsumenten ist groß – sofern sie auch tatsächlich benutzt
wird.
FRIEDEN UND
NEUTRALITÄT - ODER EU-VERFASSUNG, AUFRÜSTUNGSVERPFLICHTUNG UND
SCHLACHTGRUPPEN?
(OFFENER BRIEF AN KARL
ÖLLINGER, NATIONALRATSABGEORDNETER DER GRÜNEN, Februar 2005)
Sehr geehrter Herr Öllinger!
Sollten die Grünen am 8. Mai tatsächlich der EU-Verfassung zustimmen, wäre
das für mich als Mitglied dieser Partei unannehmbar.
Ich denke, dass die Grünen bei einer Zustimmung zur Verfassung sich ein ganz
massives Glaubwürdigkeitsproblem einhandeln würden, denn man kann nicht
einerseits für eine aktive Neutralitätspolitik plädieren und andererseits bei
der entscheidenden Abstimmung für Aufrüstungsverpflichtung, Teilnahme an
Schlachtgruppen und globale, wirtschaftlich motivierte militärische
'Krisenbewältigung', wie sie derzeit nur von den USA praktiziert wird,
votieren.
Offensichtlich haben sich die Grünen tatsächlich mit dem Beschluss des
erweiterten Bundesvorstandes vom 29.10.2004 von der Neutralität
verabschiedet, denn Neutralität UND Beteiligung an Battlegroups und in naher
Zukunft auch an sogenannten militärischen 'Präventivschlägen' - wie, bitte,
soll denn das noch zusammenpassen?
Im Grundsatzprogramm der Grünen OÖ. von 2002 steht, dass die Grünen sich
gegen eine militärische Sicherheitspolitik wenden. In der EU-Verfassung wird
aber gerade so eine militärische Sicherheitspolitik festgeschrieben.
Gilt dieses Grundsatzprogramm also nicht mehr?
Im Grundsatzprogramm der Grünen von 2001 heißt es u.a.: 'Sowohl die Mitarbeit
an einer gemeinsamen Verteidigung als auch die Teilnahme an
Militärinterventionen durch die EU würden den Stellenwert der Neutralität
deutlich verändern. Immerhin schliesst das Neutralitätsgesetz sowohl den
Beitritt zu einem Militärbündnis als auch die Teilnahme an Kriegen aus.
Angesichts der verringerten militärischen Bedrohung ist das
Projekt eines eigenen Militärbündnisses in der Europäischen Union vollkommen
überflüssig.’ (S 112)
Ist dieses Grundsatzprogramm etwa auch nur noch Altpapier?
Sind grüne Grundsätze dazu da, bei erster, bester Gelegenheit über Bord
geworfen zu werden
?(Ich weiß, im schon erwähnten Beschluss des erweiterten Bundesvorstandes heißt
es u.a.: 'Die Garantie für die Neutralität ist nach wie vor die
österreichische und nicht die europäische Verfassung'. Aber man muss wirklich
kein Verfassungsexperte sein, um zu begreifen, dass diese Garantie vollkommen
wertlos ist, wenn ein in der österreichischen Verfassung verankertes Gesetz
in Widerspruch zu einem der europäischen Verfassung steht.)
Was eine Zustimmung zur EU-Verfassung in ihrer derzeitigen Form
sicherheitspolitisch bedeuten würde, möchte ich anhand einiger Zitate aus
einem im Auftrag des EU-Rates vom Institut für Sicherheitsstudien erstellten
Papiers (European Defence - A proposual for a White Paper, Mai 2004, www.iss-eu.org) verdeutlichen:
'Die Transformation Europäischer Streitkräfte von der Landesverteidigung in
Richtung Intervention und Expeditionskriegszügen ist eine unabdingbare
Voraussetzung für eine effektive europäische Sicherheitsstrategie' (S 55).
Die EU '...will mehr globale Verantwortung... und eine Strategie präventiven
Engagements übernehmen.'’
Auf Seite 13 wird als Ziel der EU-Streitkräfte genannt: 'Stabilitätsexport
zum Schutz der Handelswege und des freien Flusses von Rohstoffen'. Und um
diese Ziele abzusichern, müssen gegebenenfalls auch 'Regionalkriege zur
Verteidigung europäischer Interessen' geführt werden.Wie so etwas konkret
aussehen könnte, wird auf Seite 84 mit Hilfe eines konkreten Beispiels
dargelegt:
'In einem Staat X am Indischen Ozean haben antiwestliche Elemente die
Macht erlangt und benutzen das Öl als Waffe, vertreiben westliche Bürger und
greifen westliche Interessen an. Darüber hinaus haben sie mit der Invasion
des Nachbarlandes Y begonnen, dessen regime pro-westlich orientiert ist und
eine zentrale Rolle beim freien Fluss von Öl in den Westen spielt... Die EU
interveniert gemeinsam mit den USA mit einer starken Streitmacht, um das Land
Y zu unterstützen und ihre eigenen Interessen zu schützen... Das militärische
Ziel der Operation ist es, das besetzte Territorium zu befreien und Kontrolle
über einige der Öl-Infrastrukturen, Pipelines und Häfen des Landes X zu
bekommen.' (Quelle: Guernica 1/2005, zu beziehen über www.werkstatt.or.at)
Ich persönlich definiere Neutralität als 'die Gnade, sich nicht einmischen zu
müssen'.
Eine Zustimmung des Nationalrates zur EU-Verfassung in ihrer derzeitigen Form
käme hingegen einer Beitrittserklärung zu einem militärischen Interventionsbündnis
gleich.
Und die Folge davon wird sein, dass in zehn oder zwanzig Jahren unter dem
Vorwand der Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten zugunsten eines
ungehinderten Zugangs zu den von der Großindustrie benötigten Rohstoffen auch
wieder österreichische Soldaten töten und sterben werden.
Mir ist vollkommen klar, dass ein Staatenbund wie die EU über kurz oder lang
auch eine eigene Verfassung braucht.
Aber nicht diese. Nicht in ihrer derzeitigen Form, die mit der
österreichischen Neutralität vollkommen unvereinbar ist. Zeigen Sie mir
jemanden, der das bestreitet, und ich zeige Ihnen einen Lügner.
Daher ersuche ich Sie, sehr geehrter Herr Nationalrat, bei der Abstimmung
über die Annahme der EU-Verfassung im Nationalrat mit 'Nein' zu stimmen.
Freundliche Grüße
Dietmar Füssel
WAS IST
EIGENTLICH DAS GRÖSSERE VERBRECHEN: DIE ZERSTÖRUNG EINES WORLD TRADE CENTERS
ODER ABER SEINE ERRICHTUNG? (Dietmar
Füssel, frei nach Bert Brecht)
VEREINIGTE SCHURKENSTAATEN
(Bei dieser Chronologie der
US-Kriegspolitik seit 1945 handelt es sich um eine stark gekürzte
Zusammenfassung einer zweiteiligen Artikelserie der Autoren Johann Schögler,
Andreas Fabisch und Athanasis Boulgaropoulos, die unter dem Titel 'Wer ist
hier der Schurkenstaat?' in der Zeitschrift der Werkstatt für Frieden und
Solidarität 'Guernica' veröffentlicht wurde.
1945/53, PHILIPPINEN: Niederschlagung der
philippinischen Widerstandskämpfer, die gegen die japanischen Invasoren
kämpften. Die USA machen den Diktator Ferninand Marcos zum starken Mann.
1950/53, KOREA: Intervention im Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südkorea auf
der Seite des Südens. Der Sprengstoffeinsatz der USA enspricht fast der
Hälfte aller von den USA im Zweiten Weltkrieg verwendeten Bomben und
Munition. 500.000 Südkoreaner und zwei Millionen Nordkoreaner kommen ums
Leben.
1953, IRAN: Die gewählte Regierung Mossadegh beschliesst die Verstaatlichung
der Anglo-Iranian Oil Company. Daraufhin putscht das von der CIA ausgebildete
und kontrollierte Offizierscorps. Die zuvor englischen Ölfirmen werden von
einem US-Konsortium übernommen. Die USA holen den Schah ins Land zurück und
liquidieren die iranische Demokratie.
1954, GUATEMALA: Die CIA organisiert den Putsch gegen die rechtmässige
Regierung Arbenz in Guatemala, die im Rahmen der Bodenreform die US-Firma
United Fruit Company verstaatlichen will. 140.000 Indios werden umgebracht
oder verschwinden spurlos.
1961, KONGO/ZAIRE: CIA-Söldner ermorden den ersten nachkolonialen Präsidenten
Lumumba, der eine Position im Interesse seines Landes bezogen hatte. Die
Söldnertruppen übernehmen nach und nach die Macht; 1965 wird Mobutu Präsident
von Gnaden der USA, der während der nächsten Jahrzehnte ein
Schreckensregiment errichtet.
1963, IRAK: Nachdem der Irak den Bagdadpakt verlassen hatte und der
Vorsitzende des Revolutionsrates General Kassem den Einfluss ausländischer
Ölkonzerne durch eine nationale Ölgesellschaft brechen wollte, wurde er durch
einen CIA-inspirierten Putsch gestürzt.
1963-75, VIETNAM: US-Intervention mit 1.600.000 Soldaten. Die Sprengkraft der
amerikanischen Bomben und Raketen übertrifft die des Zweiten Weltkrieges um
das dreifache. Drei Millionen Menschen kommen ums Leben, eine halbe Million
werden verkrüppelt und 900.000 Kinder bleiben als Waisen zurück.
1963-1990, SÜDAFRIKA: Mit ihren Aufklärungssystemen unterstützt die CIA die
Jagd auf Gegner des Apartheidsystems. Die Festnahme von nelson Mandela wird
von der CIA organisiert.
1965, DOMINIKANISCHE REPUBLIK: Der demokratisch gewählte Präsident Juan Bosch
wird wegen seiner Sozialreformen vom Militär weggeputscht. Als eine wachsende
Volksbewegung seine Rückkehr fordert, schicken die USA Militärs auf die Insel
und schlagen den Aufstand nieder.
1965, INDOCHINA: Suharto, ein bedingungsloser Gefolgsmann Washingtons,
putscht mit Unterstützung der CIA gegen die Regierung Sukarno, die eine
blockunabhängige Außenpolitik verfolgt. Bei seiner Machtergreifung werden
250.000 Kommunisten umgebracht.
1967, GRIECHENLAND: Wenige Wochen vor den Wahlen inszeniert die CIA den
'Obristenputsch' gegen die demokratische Regierung Griechenlands. Beginn
einer siebenjährigen Diktatur. Mehrere tausend demokratische Bürger,
Studenten und Offiziere werden verhaftet und gefoltert.
1973, CHILE: 1973 putscht General Pinochet auf Betreiben der USA und mit
Unterstützung der CIA gegen die chilenische Linksregierung unter Salvador
Allende. Präsident Allende wird ermordet, tausende Aktivisten werden von
Todeskommandos gejagt und umgebracht. Der damalige US-Aussenminister
Kissinger: " Ich sehe nicht ein, dass wir zulassen sollen, dass ein
Land marxistisch wird, nur weil die Bevölkerung unzurechnungsfähig ist."
1975, OSTTIMOR: Die USA weigern sich, die von der Befreiungsbewegung
Fretilin ausgerufene Republik anzuerkennen und unterstützen die Invasion des
Landes durch das indonesische Suharto-Regime. In den anschliessenden
Massakern werden 200.000 Timoresen getötet.
1980-1988, IRAN/IRAK: Nach dem Sturz des US-Verbündeten Schah Reza Pahlewi im
Iran, rüsten die USA den Irak mit modernsten Waffen zum Angriff auf den iran.
Im 8-jährigen Krieg unterstützen die USA den Irak mit Aufklärungsmaterial von
Satelliten und Flugzeugen. Gleichzeitig beliefern die USA auch den Iran mit
Waffen mit dem Ziel, dass sich die beiden Länder gegenseitig ausbluten. Eine
Million Menschen kommen in diesem Krieg ums Leben.
1980-1990, AFGHANISTAN: 1979 marschieren Sowjettruppen in Afghanistan ein und
stürzen die afghanische Regierung. Die CIA heuert aus allen arabischen
Ländern Aktivisten des islamischen Fundamentalismus an, um sie als 'Heilige
Krieger' gegen die Sowjets einzusetzen. Zu den von den USA ausgebildeten
Terroristen gehört auch Bin Laden, dessen 'Al-Qaida' unter der Ägide der CIA
entsteht.
1983, GRENADA: Die USA überfallen das kleine mittelamerikanische Land, liquidieren
die marxistische Regierung und setzen ein ihnen genehmes Regime ein. Über 400
Grenadier und 84 Kubaner, vor allem Bauarbeiter, werden umgebracht.
1986, HAITI: Nachdem der US-Vasall 'Baby Doc' Duvalier wegen seiner Eskapaden
nicht mehr zu halten war, installieren die USA eine Militärjunta.
1989/90, PANAMA: Bombardement von Panama City. 27.000 US-Soldaten übernehmen
die Kontrolle und verhaften die Regierung Noriega. Über 2.000 Menschen
sterben. Angeblich geht es um die Verhaftung Noriegas, dem Drogenhandel
vorgeworfen wird. Ein Verbrechen, das Noriega jahrelang mit Wissen und zum
grossen Teil im Auftrag der CIA begangen hat.
1991, HAITI: Die CIA veranlasst einen Militärputsch gegen den ersten
demokratisch gewählten Präsidenten, Jean-Bertrand Aristide. Die neue
Militärjunta stürzt das Land in eine dreijährige Periode schlimmster
Menschenrechtsverletzungen.
1991, IRAK: Nach dem Überfall des Irak auf Kuwait bombardieren die USA mit
einigen Verbündeten den Irak und besetzen weite Teile des Landes. Bei den
Angriffen kommen schätzungsweise 320.000 Menschen ums Leben. Die Zerstörung
der Infrastruktur, weitere Bombardierungen und das bis heute andauernde
UN-Embargo haben zum Tod von möglicherweise bis zu einer Million Menschen
geführt.
(Anmerkung von Dietmar Fuessel: Vor allem durch die Zerstörung der
Wasserwerke dürften seither nach Schätzungen der UNESCO 4.000 bis 5.000
Menschen monatlich an verseuchtem Trinkwasser gestorben sein. [Quelle:
Guernica] Also etwas mehr als bei der Zerstörung des World Trade Centers.)
1998, SUDAN: Raketenangriff auf eine pharmazeutische Fabrik, die angeblich
Nervengas für Terroristen herstellt. Die Hälfte der pharmazeutischen Vorräte
wird durch den Angriff vernichtet. Die USA erklären später, dass es sich um
einen Irrtum gehandlet habe.
1999, JUGOSLAWIEN: Völkerrechtswidriger Angriff der NATO auf die BR
Jugoslawien. Einsatz von Uranmunition und Splitterbomben. Bis zu 4.000
Menschen werden getötet, bis zu 8.000 verletzt, durch die Bombardierung von
Chemiefabriken, Erdgasanlagen und Erdölraffinerien werden weite Gebiete
verseucht.
2001/2002, AFGHANISTAN: Im Zuge der Operation 'Enduring Freedom' werden
zumindest 5.000 Zivilisten getötet. Schätzungen von Friedensforschern
vermuten sogar einige zehntausend Tote. In Afghanistan wird eine dem Westen
genehme Regierung unter der Führung der 'Nordallianz' eingerichtet, die
punkto Grausamkeit den Taliban keineswegs nachsteht, aber umgehend den Bau
einer Erdölpipeline genehmigt.
(Stark gekürzt aus guernica Nr.5 und 6/2002)
NACHBEMERKUNG:
'Auge um Auge - und die ganze Welt
wird blind.'
Dieser Satz von Mahatma Gandhi beinhaltet nicht nur eine Erklärung für
die derzeitige, mit immer brutaleren Mitteln geführte Auseinandersetzung um
Gewalt und Gegengewalt, sondern auch den einzig möglichen Weg zu ihrer
Beendigung.
Die Ermordung von Menschen ist immer ein Verbrechen, auch wenn die
Motive, die dazu geführt haben, verständlich sind, denn verstehen heißt nicht
billigen. Und selbstverständlich trifft dies auch auf die Zerstörung des
World Trade Centers zu.
So lange die USA aber nicht zu der Einsicht bereit sind, dass die
Anschläge des 11. September keine unmotivierten Angriffe, sondern
Vergeltungsschläge für ihre eigenen politischen und wirtschaftlichen
Verbrechen waren, so lange wird ihr Kampf gegen den Terror nicht bloß
erfolglos bleiben, sondern im Gegenteil weltweit zu immer mehr und immer
blutigeren Terroranschlägen führen.
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