Letzte Aktualisierung: 27. September 2017

 

DIETMAR FÜSSEL

TEXT DES MONATS OKTOBER 2017

EINE KLEINE GESCHICHTE

 

Ich möchte nun eine kleine Geschichte erzählen.

Also: Ich habe einen Freund, der ist Kommunist.

Halt. Das stimmt natürlich nicht. Er ist nicht mein Freund, denn alle Linken sind möglicherweise Terroristen und ihre Freunde sind Sympathisanten und ich möchte nicht, dass auf diesen Artikel hin die Polizei meine Wohnung durchschnüffelt.

Nicht, dass ich etwas zu verbergen hätte, nein, meine Weste ist supersauber, wenn ich also das Wort ‚Freund’ revidiere, so tue ich das deshalb, weil es nicht den Tatsachen entspricht und weil ich unseren vielbeschäftigten, tüchtigen Polizeibeamten überflüssige Arbeit ersparen will.

Also: Ich habe einen Bekannten, der ist Kommunist.

Halt. Auch dieses Wort könnte missverstanden werden, denn erstens kann man kaum behaupten, einen anderen Menschen wirklich zu kennen, und gerade ihn kenne ich besonders wenig und seinen kommunistischen Gedankengängen kann ich nichts abgewinnen, sie sind falsch.

Besser sage ich: Ich habe einen flüchtigen bekannten, der ist Kommunist.

Halt. So geht das auch nicht, denn er ist nicht flüchtig, nein, er betreibt seine hinterfotzige Propaganda in aller Öffentlichkeit. Noch konnte man ihm keine schweren Verbrechen nachweisen, aber mit einigem guten Willen wird dies zum Schutze der Demokratie bald notwendig sein.

Jedenfalls möchte ich mich schon jetzt vorbeugend von diesem Subjekt distanzieren, ich habe nichts mit ihm zu tun und will auch nichts mir ihm zu tun haben.

Also: Ich habe einen Feind, der ist Kommunist. Er ist ganz bestimmt nicht mein Freund. Außerdem kenne ich ihn gar nicht, und ich bin stolz darauf, ja, stolz, dass ich ihn nicht kenne.

Und aus diesem Grunde kann ich auch nichts über diesen Unbekannten erzählen.

(Aus meinem Erzählband 'Wirf den Schaffner aus dem Zug')

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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MEIN NEUES BUCH

WIEDERHOLTE GEBURTEN

Historische Roman

WIEDERHOLTE GEBURTEN

Historischer Roman

 

Das Alte Ägypten im dreizehnten vorchristlichen Jahrhundert:
Der erfolgreiche Frauenarzt Merirê ist wegen der vorschriftswidrigen Behandlung einer Hofdame am Königshof in Ungnade gefallen. Eines Tages aber befiehlt Ramses II. ihn überraschend zu sich und erteilt ihm den Auftrag, gemeinsam mit dem Amun-Priester Rahotep in die Hauptstadt des verfeindeten Hethiterreichs zu reisen, um der sechzigjährigen Schwester des Großkönigs noch einmal zu einer Schwangerschaft zu verhelfen - der Vorwand für eine heikle diplomatische Mission. Dort lernt Merirê die schöne und kluge Hofdame Lavinia kennen, eine enge Vertraute der Königin, die zur großen Liebe seines Lebens wird.
Doch seine Ehe mit einer Hethiterin steht in unvereinbarem Widerspruch zu den geheimen Plänen des Pharaos...
 

Packend, leidenschaftlich und mit großer Sachkenntnis erzählt Dietmar Füssel von Autokratie, politischer Ränke, verlogener Staatsräson, Korruption, Heuchelei und Gewalt, aber auch von wirklicher Freundschaft und wahrer Liebe im Alten Ägypten.“ (Ingrid Führer)